|
Von dunkler See her dämmerte Arnold Böcklins „Toteninsel“ zu dem jungen Karl Hofer herüber, als dieser sich anschickte seinen künstlerischen Weg zu beginnen.
Symbolisch aufgeladen und voll düsterer Inhalte waren auch seine ersten Bilder, von denen keines erhalten blieb.
Bei einem mehrmonatigen Aufenthalt in Paris kam der junge Maler u.a. auch mit den Werken Delacroix’ in Kontakt, ohne dass dies unmittelbar Spuren in seiner Arbeit hinterlassen hätte. Die Zeit war noch nicht reif dafür, zu sehr war er noch in der akademischen Historienmalerei verhaftet.
So vollzog sich in der Zeit bis 1914 bei Hofer ein künstlerischer Reifungsprozess.
„Das Romantische besaß ich, das Klassische habe ich gesucht.“ Beschrieb Hofer später seinen Werdegang. Und dies war und blieb der zentrale Punkt seiner Kunstauffassung. Von 1908 bis 1913 lebte Hofer in Paris. Jetzt öffnete er sich den Vorbildern Delacroix und El Greco. Und noch ein anderer Maler erhob durch seine Bilder einen Anspruch auf geistige Gefährtenschaft und bestätigte Hofers eingeschlagenen Weg: Paul Cézanne. Der Meister der Form gab ihm seine künstlerische Mitgift: geschlossener und straffer Bildaufbau, Vereinfachung der Form und ihre strukturelle Einheit mit der Farbe.
Wiederum war es die Unterstützung durch Theodor Reinhart, die dem Maler während seiner Pariser Zeit zwei Indienreisen ermöglichte. Sie beeinflussten in der Folge Hofers Menschenbild und Motivauswahl. Auch die Sprache seiner Bilder wandelte sich. „Seine Figuren verloren in diesen Jahren ihre äußere Klassizität, das Gerundete der Form, die fast zeitlose Ruhe und Erscheinung schwanden. Sie wurden empfindsamer, schlanker, die Gebärden eckiger, die Malweise flackernder und erregter.“ [3] Bei Ausbruch des ersten Weltkriegs befand sich Hofer auf einem Ferienaufenthalt in Frankreich. Er wurde in einem Lager für Zivilgefangene interniert. Ein einschneidendes Erlebnis!
Mit Hilfe seines Mäzens kam Hofer 1917 frei. Der Kaufmann holte ihn in die Schweiz. Geprägt von seiner Erkenntnis über die „strengste Formung aller wesentlichen Erscheinungen“
[4] entstanden in Montagnola die Tessiner Landschaften.
Nach dem Ende des ersten Weltkrieges kehrte Hofer nach Berlin zurück.
Bitter klang das Erlebte in seinen Arbeiten nach.
Mit den braunen Machthabern kam der Rückzug ins Exil des eigenen Ateliers. Hofers Bilder galten als entartet und wurden aus den Museen entfernt. 1943 vernichtete ein Bombenangriff den Bildbestand in Karl Hofers Berliner Atelier. Eine Tragödie. In der Folgezeit versuchte er, den verlorenen Bildern durch Neuschaffung wieder Leben zu geben. Auch in den Nachkriegsjahren blieb Hofer seinem eingeschlagenen Weg treu. An seinem Stil änderte sich wenig. Ein Umstand, den ihm Kritiker als Beharrung auf überkommenen Positionen und als mangelnde Fähigkeit zur Erneuerung auslegten. Doch Hofer war eben auch ein Mann der Gegensätze. So gab es in seinem Spätwerk Bilder, in denen er seinem Bedürfnis nach Harmonie thematisch wie formal Ausdruck verlieh. Und Werke, in denen die Farbe an Intensität zulegte, nur um sich dann wieder spröde zurückzuziehen.
Hofers Werke sind eher dem „Lyrischen“ als der „Prosa“ zuzurechnen. Sie sind durchflossen von einer schwermütigen Ahnung kommender Gefahr, voll warnender Gestalten und Propheten. Daneben brach sich immer wieder Hofers Sehnen nach dem Schönen und Wahren in anmutigen Bildnissen Bahn. War er wirklich nur der desillusionierte Einzelkämpfer, welchem die Wirklichkeit das klassische Ideal in bitteren Lektionen „ausgetrieben“ hatte und der es deshalb so beständig verteidigte? Hofers Aussage „Malerei hat eine Zukunft“ stand als Leitmotiv über seinem Leben und Werk und weist trotzig nach vorne. Voll Vertrauen in die gestalterische Kraft der gegenständlichen Kunst und ihrer vitalen Beschreibung des Individuellen. ....................... [1] Thomas Gädeke: Karl Hofer in der Sammlung Rolf Deyhle, - Katalog [2],[3],[4] Paul Vogt: Geschichte der deutschen Malerei im 20. Jahrhundert [5] Kindlers Malerei Lexikon
|