|
|
|
»Der
Mut, unmodern zu sein«
Die
behauptete Prädominanz der abstrakten Kunst über alles andere
zeugt von geringer
Einsicht in das Wesen künstlerischer Gestaltung, sie ist jedoch
verständlich vom Soziologischen der Technokratie her.
Andererseits zeugt es von ebenso geringer Einsicht, zu glauben,
die Kunst vermöchte zurückzukehren in Gewesenes. Sie wird
wiederum neue Wege gehen, die nicht die der Reaktionäre und
nicht die der heutigen Apostel sein werden. Die Wandlung mag
stattfinden, sobald die magische Suggestion des heute Neuen im
Sande der Gewöhnlichkeit verlaufen ist, unbeschadet der
bedeutenden Werke, die jeder Ismus zu gestalten vermag. Wir alle wissen,
ein wie großer Künstler Paul Klee ist, doch sollte man ihn nicht wie einen
Block vor die Zukunft legen. Und wenn die Hysteriker Krämpfe kriegen, das
Zentralproblem der bildenden Kunst ist und bleibt der Mensch und das Menschliche,
das ewige Drama. Das Planetarische überlassen wir den Sternguckern.
Jeder neue Weg, jede neue Phase der Kunst bedarf der
schreibenden und redenden Verteidiger. Doch dürfte dies nicht
wie heute zu jener Intoleranz ausarten, die, wie gesagt, den
Charakter des Bösartigen, des Sektierertums aufweist. Es geht
hier nicht etwa um jenes liberale ›Leben
und leben lassen‹, sondern um sehr viel Tieferes.
In ihrem
blinden Eifer verlieren die Skribenten jegliches Gefühl für
Proportion. Ja, in bedenklicher Weise nähert sich dieses
Gebahren dem des Nazistaates mit Gauleitern
und SS.
Karl Hofer |
Eskalation
im »Bilderstreit«
Ein veritabler Streit erschüttert
heuer die Kunstwelt.
Der Maler und Direktor der Hochschule der Bildenden Künste,
Karl Hofer, nimmt für sich in Anspruch unmodern zu sein und wirft einen
kritischen Blick auf das aktuelle Kunstgeschehen. Hofers veröffentlichte Meinung rief
bald die vermeintlichen Verteidiger der Moderne auf den Plan, die in dem abgedruckten
Fragment einen generellen Angriff auf die Moderne sahen.
Will Grohmann forderte von Hofer sogleich den ›Respekt vor den Tatsachen‹. Und sah sich genötigt,
der durch Hofers vermeintlich verbales Beinstellen ins Straucheln geratenen Abstraktion,
stützend beizutreten. Ist es wirklich ein ›trauriger Mut‹, wie Will Grohmann seinem Gegenspieler
in diesem Artikel konstatierte?
Und geht es im Kern wirklich nur um den Gegensatz von gegenständlicher und ungegenständlicher Kunst?
Wer mag denn im Ernst über einen Vorrang von einer dieser
beiden unterschiedlichen Zugänge zur künstlerischen Interpretation der Welt befinden?
Eine einseitige Bevorzugung wäre geradezu absurd. Was steckt also dahinter?
Persönliche Differenzen oder unterschiedliche politische Haltungen?
Letzteres steht wohl eher zu vermuten. Doch mag sich bitte der geneigte Leser und Beobachter des
Geschehens selbst ein Urteil darüber bilden. Die Bedeutung dieser Auseinandersetzung
als ›Richtungsstreit‹ in der Kunst darf zumindest angezweifelt werden.
|
|
»Respekt
vor den Tatsachen«
Ein Wort für die moderne Kunst.
Karl Hofer gehört zu den Künstlern, die nur sich und ihre
Arbeit sehen und von der Kunst des 20. Jahrhunderts beinahe gar
nichts gelten lassen. Er greift die Kunst der Gegenwart und die
Kritiker, die zu ihr stehen, immer wieder auf das heftigste an,
mit Worten, die sich nur aus einer geradezu rätselhaften Haßpsychose erklären lassen....
Warum eigentlich? Ressentiments? Aber
Hofer hatte sein Leben lang Glück,
fand in
jungen Jahren wie keiner seiner Generation
einen großzügigen Mäzen, hatte bis 1933 mit seinen
Ausstellungen bei Flechtheim in Berlin Erfolg und erhielt nach
1945 alle Ehrungen, die einem Maler zuteil werden können. Woher
also die schlechte Laune gegenüber dem gesamten Kunstleben und
der Katastrophen-Pessimismus?
Will Grohmann
|
|
|
|
|