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Was in jenen Tagen zu Beginn der 50- Jahre des letzten Jahrhunderts geschah, lässt sich mit dem Abstand von 50 Jahren nur bedingt
nachvollziehen: Der Disput wurde neben anderen Schauplätzen vor allem in der Berliner Presse ausgetragen. Teils mit solch einer Schärfe, die auch vor persönlichen Angriffen nicht zurückschreckte und die Hofer ziemlich zugesetzt hat, am Ende gar mit seinem Tod in Verbindung gebracht wird.
Die Rollen in diesem Streit scheinen dabei klar verteilt. Auf der einen Seite die Protagonisten der Moderne, in Person des Kunstkritikers Will Grohmann, den Hofer 1948 selbst an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin geholt hatte und auf der anderen die Gegenständlichen, exemplarisch vertreten durch den „Realisten“ Karl
Hofer.
Es war ein Artikel Karl Hofers im Berliner Tagesspiegel vom 11.02.1955 mit dem Titel „Der Mut, unmodern zu sein.“
an dem sich die seit einiger Zeit latent schwellende Kontroverse
entzündete. In der Sache war vieles unrichtig und diffus. Hofer war kein Gegner der Abstraktion. Er hatte in den 1920ger Jahren selbst Versuche in diese Richtung unternommen, von denen er aber dann wieder Abstand genommen hatte. Im Mittelpunkt von Hofers Schaffen stand nun mal der Mensch und die gegenständliche Form. Er war weit davon entfernt der ungegenständlichen Kunst ihre Berechtigung abzusprechen.
Sollte man das ganze dann eher als ein Kommunikationsproblem, als Missverständnis deuten? Leider nein, denn im Zuge der Auseinandersetzung kritisierte Grohmann darüber hinaus Hofers Œuvre im Bezug auf seine Eigenständigkeit, sah in ihm einen „Fatalisten“, dem Schönen zugeneigt, der die Realität nur in Chiffren zeigt. Bezeichnete Hofers Malstil und Haltung als konservativ und unmodern. Hofer sah sich das Etikett eines Gestrigen und Unzeitgemäßen, einer Antiquität, wie er es nannte, aufgedrückt. Ein Umstand, den er als besonders schmerzlich empfinden musste.
Ob Grohmann Hofer mit Absicht missverstanden hatte? Im März des Jahres 1955 trat Karl Hofer als Direktor der Hochschule für Bildende Künste zurück: Am 3. April starb er an den Folgen eines Schlaganfalls. |